Diabetes – wenn das Leben zu süß ist

Diabetes – wenn das Leben zu süß ist
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Diabetes – „die Herausforderung des 21. Jahrhunderts“. Was auf den ersten Blick übertrieben klingt, hat einen Funken Wahrheit in sich. Alleine in Tirol leben zurzeit 60.000 Personen mit der Diagnose Diabetes.

Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist. Die Krankheit, die wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchlauf“ bedeutet, wird in zwei Typen unterschieden: Diabetes Typ I und Diabetes Typ II.

Diabetes Typ I, der früher als Jugenddiabetes bezeichnet wurde, betrifft zumeist jüngere Menschen. Es wird immer Insulin benötigt, um den Blutzuckerspiegel zu senken, da die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren kann. Beim Diabetes Typ II spielt hingegen Übergewicht eine elementare Rolle. Aufgrund der noch vorhandenen Restfunktion der Bauchspeicheldrüse wird eine „Lifestyle-Modifikation“, also eine Änderung des bisherigen Lebensstils, vorgenommen und vorerst kein Insulin verschrieben.

 

Agnes Loidl, Diabetesberaterin am LKH Hochzirl – Natters, Standort Natters, beantwortet die grundlegenden Fragen zu dieser Erkrankung.

 

Wie wird Diabetes festgestellt?

Agnes Loidl, Diabetesberaterin am LKH Hochzirl – Natters, Standort Natters

Diabetes kann anhand der Symptome festgestellt, aber auch im Labor mittels einer Analyse der Blutzuckerwerte diagnostiziert werden. Während sich beim Typ I Symptome in Form von großem Durst (5-6 Liter am Tag), häufigem Wasserlassen, ständiger Müdigkeit und trockener Haut zeigen, verläuft der Typ II Diabetes eher schleichend. Die betroffenen Personen fühlen sich ebenfalls müde, antriebslos, und haben vermehrt Durst. Häufig wird Diabetes Typ II durch einen Zufallsbefund diagnostiziert, wenn andere Beschwerden abgeklärt werden.

 

Welche Anlaufstellen gibt es in Tirol für Menschen mit Diabetes?

In den tirol kliniken stehen die Stoffwechselambulanzen, Diabetesberater und Diätologen an den verschiedenen Standorten Hochzirl – Natters, Hall und Innsbruck zur Verfügung. Dort werden sowohl Einzelberatungen als auch Gruppenschulungen angeboten. Letztere können sehr hilfreich für Menschen sein, die in einem Einzelgespräch etwas zurückhaltender sind. Sie profitieren von den Fragen anderer. Außerhalb der tirol kliniken veranstaltet AVOMED (Ärzte, Diätologen und Diabetesberater) fast monatlich Gruppenschulungen.

 

 Warum muss man Blutzucker messen und was bedeutet Unter- bzw. Überzucker?TirolKlinikenDiätAbteilung_15

Idealerweise verwendet jeder Diabetiker ein Blutzuckermessgerät. Durch das regelmäßige Messen lernt er, bei welchen Nahrungsmitteln die Werte besonders steigen. Unterzucker ist eine Akutsituation, auf die sofort reagiert werden muss, da die Gefahr einer Bewusstseinseintrübung bis zum Bewusstseinsverlust besteht. Möglichst schnell ein süßes Getränk oder ein Traubenzucker entspannen die Situation. Eine ständige Überzuckerung schädigt das Gefäßsystem (Herz, Niere, Augen, Füße).

 

Wie wichtig sind ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung für Diabetiker?

Bewegung ist das Um und Auf für Diabetiker, da diese einen positiven Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Die Patienten können durch Bewegung ihren Blutzuckerverlauf stabilisieren. Bei Menschen mit Typ II Diabetes sind enorme Veränderungen des Blutzuckers zu erkennen, vor allem wenn sie zuvor kaum Sport betrieben haben. Natürlich spielt auch eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung eine große Rolle. Die Diabetesberater der tirol kliniken helfen in der Beratung bei Blutzuckermessgeräten, Insulinpens und Insulinpumpen sowie Fußschulung etc., die Diätologen helfen in der Ernährungsberatung mit maßgeschneiderten Tipps weiter.

 

Kann Diabetes vererbt werden?TirolKlinikenFeaturesNattersHall_109

Die Gefahr einer Vererbung des Diabetes Typ I bei einem erkrankten Elternteil liegt bei nur etwa 5%. Bei Typ II Diabetes ist das Risiko deutlich höher. Sind beide Elternteile an Diabetes Typ II erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung an die Kinder bei 90%, bei einem erkrankten Elternteil bei 50-60%.

 

Wie kann ich meinen Blutzuckerspiegel auf Reisen stabil halten?

Liegt man im Urlaub den ganzen Tag am Strand und bewegt sich wenig, ist der Blutzuckerwert höher. Auch auf Reisen sollte nicht ständig gegessen oder Snacks zu sich genommen werden, sondern regelmäßige Mahlzeiten eingehalten werden. Wer im Urlaub übermäßig viel Sport treibt bzw. in Bewegung ist, muss aufpassen, nicht in eine Unterzuckersituation zu geraten. In den Beratungen wird erklärt, wie man sich als Diabetiker auf Reisen am besten verhält und das Insulin in warmen Ländern transportiert (z.B. mit Kühltaschen).

Danke für das Gespräch.

 

Diabetesberatung in den tirol kliniken

Seit 1990 ist das Ziel der tirol kliniken, Diabetes-Patienten bestmöglich zu begleiten, zu informieren und zu unterstützen. Die Diabetesberater der einzelnen Standorte treffen sich daher laufend, um sich auszutauschen, aber auch neue Angebote und Unterlagen zu entwickeln, damit Patienten in jedem Haus dieselben Informationen erhalten.

Durch individuelle Beratung können Menschen mit Diabetes mit Ihrer Erkrankung lernen umzugehen. Es genügt nicht, nur einmal zu einem Gespräch zu gehen – in jeder Schulung lernen Betroffene Neues. Auch wenn im Internet diverse Tests und Anleitungen zu finden sind, kann Diabetesberatung bzw. eine Behandlung im Krankhaus nicht ersetzt werden. Sollten Sie deshalb typische Symptome von Diabetes verspüren, zögern Sie nicht und besuchen Sie eine der vielen Anlaufstellen für Diabetes in den tirol kliniken.

(Text: Paul Graziadei)