Allergien – Pollen fliegen heuer früher, schneller, höher?

Allergien – Pollen fliegen heuer früher, schneller, höher?
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Ein milder Winter freut drei Gruppen von Menschen am allerwenigsten: Touristiker, Touristen und Allergiker. Körperlich am stärksten, leidet dabei die dritte der drei genannten Gruppen. Wenn die Augen zu Jucken beginnen, sich langsam röten, die Nase anfängt zu rinnen und der Rachen beginnt zu kratzen, dann ist Pollenzeit.

Jedes Jahr beginnt das Spiel von vorne. Während der Winter mit seiner toten Natur, den kalten Temperaturen und der frischen Luft für Pollen-Allergiker fast schon paradiesisch anmutet, beginnt mit dem Jahreswechsel so langsam die Leidenszeit. Der Leidensdruck ist ein sehr subjektiver, doch irgendwie kommt es einem so vor, als würde es jedes Jahr noch früher losgehen. Und tatsächlich. Die Aufzeichnungen des Instituts für Botanik in Innsbruck zeigen – in den letzten 25 Jahren hat sich der Beginn der Pollenflugsaison stetig nach vorne verschoben (übrigens ist auch die Baumgrenze in dieser Zeit um 200 Meter angestiegen). Doch beginnen wir lieber von vorne.

  • Was ist Heuschnupfen?

Wenn man im Volksmund vom sogenannten Heuschnupfen spricht, dann redet man von einer allergischen Erkrankung, die auf einer Überempfindlichkeit gegen die Eiweißkomponenten der Pollen beruht.

  • Welche Beschwerden hat man, wenn man darunter leidet?

Die Beschwerden sind jener einer Erkältung sehr ähnlich und deshalb oft schwer zu unterscheiden. Typische Symptome bei Heuschnupfen bzw. einer Pollenallergie sind: eine blockierte oder rinnende Nase, Juckreiz an den Schleimhäuten, Bindehautentzündung mit juckenden, geröteten und tränenden Augen, Niesattacken mit starker Sekretion, Husten, bis hin zu Asthma oder asthmaähnlichen Anfällen. Viele Menschen sprechen auch von Symptomen die sich wie jene einer klassischen „Bronchitis“ anfühlen.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wer unter den oben beschriebenen Symptomen leidet, sollte rasch seinen Hausarzt aufsuchen. Dieser kann andere Gründe bzw. Erkrankungen schnell ausschließen und anfänglich die oftmals mühsamen Beschwerden mit Antihistaminika behandeln. Diese gibt es in Form von Nasensprays, Augentropfen, Säften und Tabletten. Antihistaminika stellen eine symptomatische Therapie dar, das heißt, die Symptome werden unterdrückt. Sollten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum andauern und nicht mehr unterdrückbar sein, empfiehlt es sich genauer hinzusehen. Hierfür suchen Sie am besten wieder Ihren Hausarzt auf, der Sie an einen Spezialisten (Haut-, HNO- oder Kinderarzt) oder an ein Allergie-Ambulatorium weiterleitet.

Leiden Patienten länger an einer (Pollen-)Allergie, so besteht die Hauptgefahr eines sogenannten „Etagenwechsels“. Ein Viertel der Patienten, kann ohne entsprechende Behandlung, über die Zeit Asthma bekommen. Ein anderer Teil entwickelt neue Allergien. So können zu einer klassischen, isolierten Birkenpollen-Allergie mit der Zeit auch andere Allergien wie eine Haustaub-, Hundehaar- oder Katzenhaarallergie hinzukommen. Um diesen Etagenwechsel zu verhindern und um eine Heilung herbeizuführen, gibt es nur eine Möglichkeit der Therapie, die sogenannte Hyposensibilisierung. Dabei wird dem Körper in Form von Injektionen unter die Haut oder durch Tabletten bzw. Tropfen, die unter die Zunge verabreicht werden, das Allergen über längere Zeit regelmäßig zugeführt. Auf diese Weise lernt das Immunsystem wieder, mit Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaaren etc normal umzugehen.

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  • Was sind die häufigsten (Pollen-)Allergien?

90 Prozent der Patienten leiden unter Allergien gegenüber Haseln, Erlen, Birken, Gräsern und Unkräutern (wie beispielsweise Beifuß etc.). In seltenen Fällen können auch spezielle Allergien wie beispielsweise gegen Zypressen (sofern vorhanden) oder Ulmen auftreten. Für solche Fälle hat das Institut für Botanik einen eigenen Fragebogen entwickelt, den Betroffene ausfüllen können. Durch Angaben zu Ort und Zeitpunkt, an denen die Allergie-Beschwerden aufgetreten sind, können Computermodelle die oft seltenen Erreger berechnen, erkennen und lokalisieren.

Zusammen mit dem Heuschnupfen können sich auch sogenannte Kreuzallergien bei anderen Substanzen entwickeln. Die Eiweißstoffe, auf die der Patient reagiert, können auch in Lebensmitteln vorkommen und beim Verzehr allergische Reaktionen auslösen. Bekannte Beispiele: Birkenpollenallergiker reagieren vielfach mit Juckreiz im Mund oder Schluckbeschwerden auf rohes Steinobst (zB Äpfel) und Nüsse. Kräuterpollenallergiker reagieren mitunter auf Sellerie oder Kräutergewürze.

  • Wie kann ich mich davor schützen?

Leider sind die Möglichkeiten, sich vor Pollen zu schützen, beschränkt. Nach Möglichkeit sollte man Freizeitaktivitäten in die Berge über der Waldgrenze verlegen, nach Ausflügen die Haare waschen (um die Pollen nicht ins Schlafzimmer zu verschleppen) und Pollengitter vor den Fenstern verwenden. Darüber hinaus gilt es, wie bereits oben beschrieben entweder die Symptome bekämpfen oder mit einer ursächlichen Therapie (Hyposensibilisierung) beginnen. Des Weiteren empfiehlt es sich genau hinzusehen und sich rechtzeitig zu informieren. Der Pollenwarndienst informiert täglich auf seiner Website beziehungsweise via Zeitung, über die aktuelle Pollenlage.

Nach milden Wintern beginnen viele Bäume frühzeitig zu blühen. Mehrere warme Tage in Folge unterstützen diese Entwicklung. Auch sonnenbegünstige Lagen fördern den verfrühten Pollenflug. Hier sollten Allergiker besonders aufmerksam sein. Auch die Wissenschaft arbeitet fieberhaft an einer präziseren Vorhersage. Neueste elektromikroskopische Techniken ermöglichen es mittlerweile beispielsweise, durch Untersuchung des Pollenstandes, lange vor der Blüte, präzise Prognosen über den Pollenflug zu geben. Doch auch hier gilt: die Natur ist nur schwer planbar. Selbst wenn mehrere warme Tage den Pollenflug begünstigen und die Blüte nach vorne verschieben, ein kalter Tag mit Temperaturen nahe am Nullpunkt, können sämtliche Knospen etc. wieder abtöten und ein pollenstarkes Frühjahr zu einem Nulljahr machen.

  • Wie sieht die aktuellen Pollenlage aus?

Derzeit blühen im Inntal vor allem Hasel und Erle. Dies ist jedoch stark höhenabhängig. Im Tiroler Außerfern und in Osttirol sieht die Lage anders aus. Hier verzögert sich die Blüte noch etwas. Während die Bäume im Durschnitt immer früher blühen (abhängig von den jeweiligen Temperaturen – von Jänner bis April), ist die Gräser- und Unkrautbelastung recht stabil (ab Mai). Das Jahr 2015, mit seinem Rekordsommer, war eine absolute Ausnahme. Wie die Pollenbelastung 2016 aussieht, ist derzeit schwer vorauszusagen. Sicher ist – mehrere warme Tage in Folge, begünstigen eine frühe Blüte. Wenige kalte Tage (bspw. mit Schneefall) genügen und die Knospen sterben ab. Detaillierte Informationen über die aktuelle Pollenbelastung und regelmäßige Updates liefert der österreichweite Pollenwarndienst.

Die medizinischen Informationen im Text basieren auf einem Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Norbert Reider (Leiter der Allergieambulanz an der Klinik Innsbruck)